Ortswappen & Chronik von Litzelstetten

Ortswappen von Litzelstetten

Kennen Sie das Litzelstetter Wappen? Ja, unser Teilort besitzt sein eigenes Signet, das bis heute einen Identifikationscharakter mit der Geschichte und den Wurzeln unseres ehemaligen Bauerndorfes hat. Und es ist darüber hinaus Symbol für eine ursprünglich eigenständige Gemeinde, die 1971 als Bestandteil der Stadt Konstanz eingegliedert wurde.

Das schwarze Tatzenkreuz ist bekannt aus der Zeit des Deutschen Ordens ab dem 12. Jahrhundert, das nicht nur als Hoheitszeichen, sondern auch als Bekräftigung der Eisernheit verstanden wird. Litzelstetten bekam es aus der Herrschaft des Ordens, der ab 1272 den Ort in seine Macht nahm.

Der mittig eingesetzte blaue Herzschild, Erkennungsmerkmal des bayerischen Wappens, dürfte auch an die Zugehörigkeit von „Luzzilonsteti“ – wie Litzelstetten bei seiner ersten Erwähnung genannt wurde – an den fränkischen Königshof Bodman, zu dessen Besitz das Dorf im 5. und 6. Jahrhundert gehörte, erinnern.

Inmitten des blauen Hintergrunds prangt das goldene Schwert, schräg im senkrechten Winkel zum silbernen Schlüssel. Beide Symbole kennzeichnen die christliche Prägung des Dorfes bis zur Säkularisierung 1802, ebenso wie ihre Darstellung – gekreuzt in Anlehnung an Tod und Auferstehung. Nicht nur das Heilige, das mit dem Schwert verbunden wird, sondern auch  Martyrium und die Ritterlichkeit von Glauben und Geist spiegeln sich in Anlehnung an den Apostel Paulus wieder.

Gleichsam als „Öffner des Himmelsreiches“ ist der goldene Schlüssel markantes Zeichen für die katholische Prägung: Aus dem biblischen Matthäusevangelium abgeleitet, kennt man ihn auch aus dem Wappen von Vatikanstadt.

In seiner Zusammensetzung ähnelt das Wappen Litzelstettens auch denen in seiner Umgebung – und doch steht es beispielhaft für die Einwirkungen, die über Jahrhunderte den Ort geprägt haben.

Autor: Dennis Riehle

 
 

Chronik von Litzelstetten

Die erste urkundliche Erwähnung von Litzelstetten findet sich im Jahre 839, als Ludwig der Fromme dem Kloster Reichenau eine Schenkung von Land auf der Gemarkung von "Luzzilonstete" machte. Es ist wahrscheinlich, dass das Wort »Luzzilon« eine Verkleinerung des Namens Ludwig ist. Ob das Dorf nach dem königlichen Stifter diese Benennung erhalten hat oder ob es schon vorher so hieß, ist ungewiss. Im Jahre 1174 schrieb man den Namen "Luzelestede". Als die Deutschordenskommende auf der Mainau 1272 das Dorf auf dem Hügel übernahm, hieß es "Liuzensteten".

Eingerahmt von Unter- und Überlingersee ist Litzelstetten mit einbegriffen in die großen Ströme der Geschichte und der Entwicklungen, die zum äußersten Ende des Reiches hinzogen und von dort zurückströmten in vielfältiger und veränderter Form.

In Alemannien hatten schottische Mönche bereits das Christentum verbreitet, bevor Karl Martell im Jahre 724 den aus Spanien vertriebenen Bischof Pirmin mit der Insel Reichenau beschenkte, damit er dort ein Kloster gründe und die Lehre des HI. Benedikt heimisch mache.

Dämonenglaube und heidnische Gebräuche waren noch stark verbreitet, und es war eine große Aufgabe, die vor dem missionierenden Bischof und seinen Patres stand, die herrischen und rauhen Alemannengeschlechter in dem neuen Glauben zu befestigen.

Dieser schweren Aufgabe und ihrer Bewältigung entspringt wahrscheinlich die Legende, nach der der HI. Pirmin alle Schlangen und giftiges Gewürm von der Insel vertrieben habe.

Trotz mancher politischer Wirren, denen auch Pirmin schon nach 2 Jahren weichen musste, gewann die neue Klostergründung in überraschend kurzer Zeit weitreichende Bedeutung. Aus Karl Martells Schenkung. von sechs Alemannendörfern zwischen Ermatingen und Uberlingen stammen die ersten kargen Einkünfte des Klosters.

Wiederholt sind Dettingen und Allensbach, Liggeringen und Dingelsdorf genannt; aber erst seit 839 nach der Stiftung Ludwigs des Frommen ist auch Litzelstetten unter den Dorfnamen, die mit der Reichenau verbunden sind.

Im Jahre 1272 übernahm die neue Ordenskommende Mainau die Herrschaft in Litzelstetten und behielt sie bis zur Säkularisierung. Ihre Fischermeister, Forstmeister und Hausvögte hatten ihren Sitz in der Gemeinde auf dem Bodanrück.

Das ursprünglich sehr bescheidene, 1546 zuerst erwähnte gotische Peter-und-Pauls-Kirchlein wurde später barockisiert. Erst zu Anfang unseres Jahrhunderts wurde der heute noch erhaltene Turm angefügt. Ihre heutige Form erhielt die Kirche in den Jahren 1977 - 1979.

Planmäßig erwarben die Ordenskomture Litzelstetter Ackerland, dazu den Laienzehnten; und schließlich kauften sie die Litzelstetter Torkel des Ritters Marquart Breisacher von Konstanz. Wie sie sich denn auch der Pflege des guten Weins auf den Hängen mit besonderer Sorgfalt annehmen.

Auch damals bestand die Verbindung von der Stadt hinaus aufs Land: Das Konstanzer Raitearnt, das Domkapitel und adelige Geschlechter der Stadt hatten Grundbesitz in Litzelstetten.

Nach den Notzeiten das Dreißigjährigen Krieges errichteten Litzelstetter Bürger 1648 zum Dank für den endlich geschlossenen Frieden die Kapelle am Ortsausgang in Richtung Dingelsdorf. 1945 hat man sie - im selben Gefühl der Dankbarkeit - erneuert.

Als die Ordensherren die Mainau verlassen hatten, wechselte die Insel mehrmals den Besitzer. Nacheinander war sie in österreichischen, schwedischen und englischen Händen. Nur an einen Deutschordens-Herren, Lord Derby, hat sich in Litzelstetten eine bleibende Erinnerung erhalten; er hat der armen Gemeinde zum Bau des Pfarrhauses verholfen.

In diesem Pfarrhaus erfand im Jahre 1870 der Ortsgeistliche Johann Martin Schleyer die Weltsprache Volapük und unterrichtete auch seine Schulkinder darin.

Als Großherzog Friedrich I. von Baden 1853 die Insel Mainau erwarb, fing dort ein neues Leben an, das sich auch auf Litzelstetten auswirkte. Zu dem großherzoglichen Paar bestand eine harmonische Bindung, die sich für das Dorf sehr hilfreich auswirkte und erst 1918 mit dem Ende der Monarchie aufhörte. Die Insel blieb jedoch im Besitz der Familie und diese entschied sich dafür, dass die Mainau zur politischen Gemeinde Litzelstetten gehören solle. Im Jahre 1932 kam die Mainau durch Schenkung an den schwedischen Grafen Lennart Bernadotte.

Ortswappen von Konstanz-Litzelstetten
 
 
 

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